Rundbrief
Ausgabe März 2001

Das verlorene Jahrzehnt

Klima, Kosten, Katastrophen

Nun ist es also heraus: die UN-Experten haben in ihrem diesjährigen Bericht in drastischer Weise den Klimawandel beschrieben und deutlich gemacht, dass er für uns alle wahrscheinlich weitaus deutlicher zu spüren sein wird als noch im letzten Jahr angenommen. Nach diesem dramatischen Auftakt aber wirkt der letzte Teil des Berichts, der die Konsequenzen und Lösungsansätze beinhalten sollte, wie Hohn: da blies kein Sturm, sondern wehte lediglich ein lindes Lüftchen von ‘man könnte, aber..., hier ist zu bedenken, daß...’. Überschwemmungen, Dürren und schwindende Gletscher scheinen zwar näher an uns heranzurücken und machen uns ‘betroffen’ - aber offensichtlich nicht betroffen genug. Die Euphorie des Rio-Prozesses ist verflogen: Wir blicken auf ein verlorenes Jahrzehnt für den Klimaschutz zurück.
Die Ärmsten, d.h. die Länder des Südens, wird es am härtesten treffen, weil diese Staaten wenig Möglichkeiten haben, vor- und nachsorgende Maßnahmen zu treffen. Die ökonomische Potenz der führenden Wirtschaftsnationen aber ist es, die es ihnen in gnadenloser Ignoranz ermöglicht, einem ‘Weiter so, es wird schon gehen’ das Wort zu reden. Welche Kräfte hier die Politik machen und wie sie es machen, führen uns die sechs großen Stromkonzerne Deutschland gerade anschaulich vor Augen: seit Wochen torpedieren sie mit Erfolg die geplante Quote für umweltfreundlichen Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Dabei sind sich Fachleute einig, daß ohne einen Ausbau der KWK das Klimaziel nicht erreicht werden kann.
Der Gegenvorschlag der Industrie, eine freiwillige Selbstverpflichtigung, ist an Dürftigkeit nicht zu überbieten. Nicht 23 Millionen Tonnen, sondern nur 11 Millionen wollen die Unternehmen einsparen. Der Vorschlag ist also keineswegs ausreichend, Sanktionen für die Nichteinhaltung des Mengenziels sind nicht festgelegt. Dazu kommt, dass für die anstehenden Maßnahmen der Staat bzw. der Steuerzahler durch Subventionszahlungen aufkommen soll.
Der Widerstand der Stromkonzerne ist aus ihrer Sicht nachvollziehbar. Es geht um Marktanteile, die ihnen verlustig gehen könnten, wenn sich eine Energiewirtschaft durchsetzt, die auf kleinen, dezentralen KWK-Anlagen basiert. Denn damit kommen kommunale Versorger oder Ökostromunternehmen ins Spiel - sehr zum Unwillen der Konzerne.
Zeigen Sie daher Politik und Stromkonzernen die rote Karte. Helfen Sie mit, mehr Menschen für den persönlichen Atomausstieg und den Wechsel zu Stromversorgern, die für die Energiewende stehen, zu gewinnen!



Veranstaltung

Grüner Strom, na klar!

Der Frühlingsbeginn mit der Hoffnung auf viele wärmende und vor allem energiereiche Sonnentage bietet uns als ReinStrom Arbeitsgemeinschaft Anlass, Ihnen unser neues Veranstaltungsprogramm für die nächsten Monate vorzustellen. Ausserdem möchten wir besonders auf unsere Anzeigenkampagne ‘Grüner Strom, na klar!’ hinweisen, die seit dem 24. Februar bis zum 26. April, dem 15. Jahrestag des Reaktorunglücks von Tschernobyl, im Göttinger Tageblatt läuft:
Über 50 Tage nimmt jeweils eine Person des öffentlichen Lebens zum Thema Grüner Strom Stellung. Wir wollen zeigen, dass jede(r) Einzelne durch den Wechsel zu einem Ökostromanbieter den eigenen Strombedarf aus erneuerbaren Stromquellen decken und gleichzeitig den weiteren Ausbau der regenerativen Energieerzeugung forcieren kann. Bitte machen Sie Ihre Freunde und Bekannten auf die Aktion aufmerksam. Natürlich freuen wir uns insbesondere über jeden, der zu Grünem Strom wechselt, denn:

Jetzt noch zögern fällt sehr schwer,
grüner wird der Strom nicht mehr!



Vortrag

Ökologisch produzierter Strom:
Informationen - Bedeutung - Umweltschutz

Ökostrom kann einen entscheidenden Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien leisten. In dieser Veranstaltung möchten wir Sie informieren, welche Probleme mit der herkömmlichen Stromversorgung verbunden sind und welche Gegenkonzepte durch Ökostromanbieter verfolgt werden. Darüber hinaus möchten wir Ihnen zeigen, welche Potentiale es hier in Göttingen gibt und wie Sie sicher sein können, daß Ihr Strom auch wirklich ‘grün’ ist. Die Referenten sind:

Wolfgang Schriek, Naturstrom AG
Silva Herrmann, ReinStrom
Stefan Horender, BUND

Datum: Dienstag 20.03.2001
Zeit: 19:30
Ort: DGB-Haus, Obere Masch-str. 10, Göttingen
Gemeinsame Veranstaltung des BUND-Göttingen und ReinStrom.





Vortrag und Exkursion

Ökostrom -
eine Chance des liberalisierten Strommarkts auch für Göttingen?

Informationen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in der Region Göttingen sowie Tipps zum Stromwechsel für Verbraucherinnen und Verbraucher, inkl. einer Exkursion zu Anlagen in Göttingen (Termin nach Vereinbarung).

Datum: Dienstag, 8.05.2001
Zeit: 19:00 bis 21:30
Ort: vhs-Raum 301
Kosten:12,00 DM
Veranstaltung im Rahmen der vhs Göttingen



Exkursion

Sonne, Wind & Co.
Fahrradtour nach Hardegsen-Lichtenborn

Bei dieser Tour wollen wir Solar- und Windkraftanlagen erfahren.

Länge: ca. 70 km
Treffpunkt: Bahnhof Westseite, Leitung: Markus Heine, Tel. 37 73 81
Gemeinsame Veranstaltung des ADFC Göttingen und ReinStrom



Regionale Projekte

Here comes the sun!

Ein neues regionales Anlagenprojekt ist auf den Weg gebracht: Mitte Februar feierten wir die Anlagenerweiterung der Solarstromanlage auf dem Göttinger Gewerbebetrieb Rad&Tat. Die über ReinStrom an die Naturstrom AG vermittelten Kundinnen und Kunden haben's möglich gemacht: jeweils sechs Pfennige pro verbrauchter Kilowattstunde, die im Naturstrom-Tarif enthalten sind, fließen in die Förderung regionaler Anlagen und tragen zur Energiewende vor Ort bei.
In unseren Breiten können mit dieser Anlage etwa 5000 Kilowattstunden pro Jahr erzeugt werden. Durch einen Wechselrichter wird der erzeugte Gleichstrom in netzkonformen Wechselstrom umgewandelt. Dieser wird über eine Messeinrichtung in das öffentliche Stromnetz eingespeist.



Ökologisch sinnvoll

Dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung

Unsere Energievorräte sind begrenzt und die Umweltfolgen der ungehemmten Verbrennung fossiler Energieträger werden immer deutlicher. Wir müssen also unseren Primärenergieverbrauch an Kohle, Öl und Gas drastisch senken. Eine der vielen Möglichkeiten ist die bessere Ausnutzung der Primärenergie bei der Erzeugung von Strom und Wärme. Bei der reinen Stromerzeugung in Großkraftwerken wird die eingesetzte Energie nur zu etwa einem Drittel genutzt, bei der dezentralen Kraft-Wärme-Kopplung in sogenannten Blockheizkraftwerken (BHKW) dagegen zu etwa 90%.
Bei dieser Technik werden Strom und Wärme am Ort des Bedarfs erzeugt, die Übertragungsverluste entfallen weitgehend und die eingesetzte Energie wird zu etwa 30% in Strom und 60% in nutzbare Wärme umgewandelt. Möglich wird dies, indem die zunächst in chemischer Form gespeicherte Energie des Brennstoffs in einem Motor über den Umweg Wärme in mechanische Energie und dann über einen Generator in Strom umgewandelt wird. Die ungenutzte Abwärme wird zu Heizzwecken bereitgestellt.
Sinnvoll ist der Einsatz dieser Technik vor allem in vielen kleinen, verbrauchernahen BHKW. Während der erzeugte Strom verbraucht oder ins das öffentliche Stromnetz eingespeist werden kann, steht die Wärme für die Bereitung von Warmwasser oder zu Heizzwecken zur Verfügung. Das zur Verfügung stehende Potential ist sehr groß: für viele Gewerbebetriebe, Schulen aber auch für kleinere Mehrfamilienhäuser kann diese Technik ökologisch sinnvoll eingesetzt werden. Ein weiterer positiver Aspekt ist die höhere Versorgungssicherheit durch die Verteilung des Ausfallrisikos auf eine größere Zahl von Kraftwerkseinheiten.
Leider legen die alten Energieversorgungsunternehmen der effizienten Nutzung der Ressourcen immer wieder Steine in den Weg, und zwar nicht nur durch die Verhinderung der KWK-Quote. Sie bieten nämlich den Anbietern eine nicht kostendeckende Vergütung für den Strom an, so dass die Anlagen oft nicht wirtschaftlich betrieben werden können. Anders dagegen die Ökostromunternehmen, wie etwa EWS Schönau, die (in Göttingen in Zusammenarbeit mit ReinStrom) gezielt derartige Anlagen fördern!



ReinStrom informiert

Häufige Fragen zum Stromwechsel

  • Muß mein Vermieter einverstanden sein, daß ich meinen Stromlieferanten wechsele?
    Wenn Sie Ihren Strom selber mit dem Stromversorger über einen eigenen Zähler abrechnen, müssen Sie Ihren Vermieter nicht informieren. Wenn Sie Ihre Stromrechnung direkt vom Vermieter bekommen, sollten Sie sich mit ihm in Verbindung setzen.

  • Was muß ich machen, wenn ich umziehe?
    Wenn Sie umziehen wollen, sollten Sie sich vier bis acht Wochen vor dem Umzug bei uns melden und einen neuen Vertrag abschließen! Bitte geben Sie uns, wenn möglich, die Zählernummer Ihres neuen Zählers und den Namen Ihres Vormieters an. Auch wenn Sie bereits Kundin oder Kunde sind, unbedingt melden, denn für die neue Wohnung muß ebenfalls ein neuer Vertrag geschlossen werden.

  • Ich habe einen Vario-Stromliefervertrag der EAM abgeschlossen und möchte nun meinen Stromanbieter wechseln. Gibt es da Besonderheiten?
    Ja, denn die Erstlaufzeit dieses Vertrages beträgt zwei Jahre, erst danach ist ein Wechsel wieder möglich. Für viele Kundinnen und Kunden läuft die besagte Zwei-Jahres-Frist Ende August oder Ende September diesen Jahres ab. Da die Kündigungsfrist dieses Vertrages drei Monate beträgt, sollte ein neuer Vertrag am besten Ende März/ Anfang April abgeschlossen werden. Der neue Stromversorger übernimmt dann alle weiteren Formalitäten, auch die Kündigung bei der EAM.

  • Wer ist für Störungen am Stromnetz zuständig, wenn ich meinen Stromlieferanten wechsele?
    Der Netzbetreiber vor Ort, denn er erhält für die Netznutzung die sogenannten ‘Netznutzungsgebühren’. Diese verpflichten ihn, das Netz in einem einwandfreien Zustand zu erhalten und Störungen zu beheben. Er darf keinen Unterschied zwischen seinen und den KundInnen anderer Stromversorger machen.

  • Muß ich meinen jetzigen Stromlieferanten selbst kündigen?
    Nein, das übernimmt Ihr neuer Stromversorger für Sie. Wir benötigen lediglich den unterschriebenen Vertrag und eine Kopie der letzten Stromrechnung von Ihnen.

  • Woher bekomme ich meinen Strom, wenn ich den neuen Vertrag wieder kündigen möchte?
    Ihren Vertrag können Sie unter Berücksichtigung der Kündigungsfrist jederzeit wieder kündigen. Ihr örtlicher Stromversorger ist nach dem Energiewirtschaftsgesetz verpflichtet, Sie wieder zum allgemeinen Tarif und allgemeinen Bedingungen zu versorgen.

  • Wen kann ich bei Fragen ansprechen?
    Selbstverständlich stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung (0551-389 85 87). Bei der EAM ist für den Stromwechsel zur Zeit Herr Gröb zuständig. Dieser ist unter 0561/ 9 33 14 68 in dringenden Fällen zu erreichen.



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Die graphische Gestaltung durch Dipl.-Geogr. Grit Büttner, Dipl.-Ing. (FH) Kathleen Langner und Dipl.-Ing. Marion Putz erfolgte am Institut für allgemeine und angewandte Ökologie e.V. Hardegsen.