Rundbrief
- der erste -
Ausgabe Juli 2000

Energiepolitik
Der Ausstiegs-Konsens-Papiertiger

Bekanntermaßen ist Strom aus Atomkraftwerken weltweit immer weniger gefragt, weil Neuanlagen sich trotz erheblicher Subventionen nicht wirtschaftlich betreiben lassen. Die Technologie ist neben ihrer unbestrittenen Gefährlichkeit zudem uneffizient und klimaschädlich, da der Wirkungsgrad lediglich 30% beträgt, 70% der Energie als ungenutzte Abwärme in die Umwelt entweichen.

Nun wird also in Deutschland ausgestiegen. Das "Konsenspapier" zum Ausstieg aus der nichtmilitärischen Nutzung der Atomenergie ist das Ergebnis langer Verhandlungen - und ein Kunstwerk von Absichtserklärungen und Zugeständnissen an die Energiekonzerne. Die Regierung mit ihrem eindeutigen Wählerauftrag zeigte eine wunderbare Performance: Der Umweltminister rennt los, der Kanzler spannt den Stolperdraht und der Wirtschaftsminister redet derweil schon vom Wiedereinstieg. Der Umweltminister kommt ins Stolpern, der Kanzler gibt Gas in die andere Richtung und der Wirtschaftsminister versucht derweil schon mal, die Energiewende zum Kreisverkehr zu machen.

Sicher ist heute nur, daß weiter jede Menge Atommüll produziert wird und daß alternde Anlagen immer störanfälliger werden.

Was bleibt? Zeigen Sie der Politik die rote Karte. Helfen Sie mit, mehr Menschen für den persönlichen Atomausstieg und den Wechsel zu Stromversorgern, die für die Energiewende stehen, zu gewinnen!


Direkteinspeisung von Solarstrom
Gesetzgeber fördert - EAM will kassieren

Die Förderung erneuerbarer Energien, ausdrückliches Ziel des im April diesen Jahres in Kraft getretenen "Erneuerbare-Energien-Gesetzes" (EEG), wird, wie ReinStrom feststellen mußte, in der Praxis von Seiten der "alten Monopolisten" massiv behindert:

Betreiber und Betreiberinnen von photovoltaischen Anlagen, die aufgrund der im EEG festgelegten Vergütung von 99 Pfennig pro Kilowattstunde eine vollständige Direkteinspeisung des von ihren Anlagen erzeugten Stroms beantragt hatten, konfrontierte die EAM in einem Schreiben mit technisch überflüssigen und zudem teuren Anforderungen an den Umbau der Anlagen. Außerdem werden - im Gegensatz zu früheren Regelungen - neuerdings Gebühren für die Einspeisung von über 80 DM verlangt.

ReinStrom sieht in den Maßnahmen einen Versuch, das neue Gesetz zu torpedieren und rät daher allen Betreibern und Betreiberinnen, nicht auf die überzogenen Forderungen der EAM einzugehen. Betroffene können sich an das Büro der ReinStrom AG wenden, wo alle Fälle gesammelt und notfalls rechtliche Schritte vorbereitet werden.

Konsequenz dieses Verhaltens der EAM muß es unserer Meinung nach sein, eine Regulierungsbehörde im Energiesektor einzurichten, wie sie im Telekommunikationsmarkt bereits bewährt ist.



100.000-Dächer-Programm
Anträge werden wieder bearbeitet

Vor dem Hintergrund der Anhebung der gesetzlichen Mindesteinspeisevergütung für in das öffentliche Netz eingespeisten Solarstrom auf 0,99 DM pro Kilowattstunde war die Vergabe von Förderkrediten im Mai gestoppt worden. Nach einer Überarbeitung der Vergabekriterien wurden am 27.05.00 die neuen Richtlinien für das 100.000 Dächerprogramm im Bundesanzeiger veröffentlicht. Anträge werden allerdings erst jetzt wieder bearbeitet,da Einzelheiten zur Umsetzung der neuen Richtlinie zwischen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem Bund abgestimmt werden mußten. Im Hinblick auf den hohen Antragseingang im Jahresverlauf ist aber noch nicht geklärt, wie die Anträge in diesem Jahr zugesagt werden. Unabhängig vom Eingangsdatum sollen für alle eingegangenen und bisher noch nicht zugesagten Anträge die modifizierten Regelungen zur Anwendung kommen. Die wichtigsten Aspekte der neuen Regelung sind:

Regionale Energieerzeugung
Die Region stärken -
neue Energien für Göttingen

Was hat die Erzeugung erneuerbarer Energien mit der Förderung der Region zu tun? Auf diese Frage gibt es eine Vielzahl von Antworten:

Die zur Verfügung stehenden Technologien zur sauberen Energieerzeugung sind in jeder Region anwendbar, die Herstellung findet meist in mittelständischen Gewerbebetrieben statt. Jede Technologie unterstützt dabei andere Erwerbszweige, etwa Heizungs- und Installationsgewerbe oder Maschinen- und Anlagenbau, aber auch Ingenieurbüros und Landwirtschaft.

In dezentralen Energieerzeugungsanlagen wird zudem durch die Verwendung von Materialien aus der Region die regionale Wertschöpfung erhöht. Das heißt, daß das Geld im regionalen Kreislauf verbleibt und damit der regionalen Wirtschaft wieder zugute kommt. Die Kaufkraft kann vor Ort wirksam werden und zur Schaffung weiterer Arbeitsplätze beitragen. Die Anwendung moderner Techniken zur regenerativen Energieerzeugung erfordert neue Qualifikationen und eröffnet damit zukunftsträchtige Berufsfelder. Durch Aus- und Weiterbildung können aber auch alte Tätigkeitsbereiche umgestaltet werden.

Im "Weißbuch Erneuerbare Energien" der EU wird bei einer Verdopplung des Anteils regenerativer Energieträger mit 500.000 neuen Arbeitsplätzen EU-weit gerechnet. Nach Untersuchungen des Öko-Instituts in Freiburg werden es in Deutschland mehr als 200 000 neue Stellen sein, die bis 2020 durch die Energiewende entstehen. Noch optimistischer sind die Schätzungen der Fachverbände, die in 20 Jahren mit etwa 500.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen in Deutschland rechnen.

Damit sind die Energiewende und der Ausstieg aus der Atomenergie wichtige Bausteine für eine zukunftsfähige Wirtschaft und Gesellschaft, die alle Regionen einbezieht.


Ausstellung
Schauen Sie mal in der Lokhalle vorbei!

Wer gerne selbst einmal erfahren will, ob sich in unserer Region eine vollständige Versorgung mit umweltfreundlichen Energieformen realisieren liesse, der hat jetzt in der Lokhalle Gelegenheit dazu. Im Rahmen der dort angesiedelten Ausstellung "Wissenschaft und Technik zum Anfassen" haben die Messwert GmbH und die ReinStrom AG in einem Gemeinschaftsprojekt eine interaktive Schautafel entwickelt, auf der jeder Besucher und jede Besucherin die Möglichkeit hat, über Drehknöpfe den prozentualen Anteil der umweltfreundlichen Energieproduktion in der Region Göttingen für den aktuellen bzw. für den Jahresenergieverbrauch (durch Blockheizkraftwerke, Solaranlagen oder Windkraft) zu erhöhen.

Über einen Computer erfolgt dann eine Berechnung, wieviel Prozent des aktuellen bzw. des Jahresenergie-verbrauchs Göttingens mit dem gewählten Energiemix abgedeckt werden könnten. Wer will, kann einen Ausdruck anfordern und auf diese Weise die Ergebnisse auch mit nach Hause nehmen.

Ausstellung: "Wissenschaft und Technik zum Anfassen"
                    04.06.00 bis 31.10.00 in der Lokhalle Göttingen
                    Geöffnet mittwochs bis sonntags 11 bis 17 Uhr

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Die graphische Gestaltung durch Dipl.-Geogr. Grit Büttner, Dipl.-Ing. (FH) Kathleen Langner und Dipl.-Ing. Marion Putz erfolgte am Institut für allgemeine und angewandte Ökologie e.V. Hardegsen.